Clonazepam

Wirkstoff
Clonazepam
Handelsname
Rivotril®
ATC-Code
N03AE01
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Epilepsie
    • Oral
      • ≥28 Tage: On-label
        • >0,2 mg/kg/Tag: Off-label
        • >30 kg: Initialdosis >1,5 mg: Off-label
  • Status epilepticus
    • Intravenös
      • Keine Arzneispezialität in Österreich zugelassen
  • Neonatale Krampfanfälle
    • Intravenös
      • Keine Arzneispezialität in Österreich zugelassen
  • Akute Angstzustände (kurzzeitige Anwendung)
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Als Zusatztherapie oder in Fällen von Nichtansprechen auf andere Arzneimittel zur Behandlung der meisten Formen der Epilepsie, insbesondere von Absencen, inklusive atypischen Absencen, Lennox-Gastaut-Syndrom sowie myoklonischen und atonischen Anfällen indiziert. Bei infantilen Krampfanfällen (inklusive dem West-Syndrom) und tonisch-klonischen Anfällen ist Rivotril  ausschließlich als Zusatztherapie oder bei Nichtansprechen auf andere Arzneimittel indiziert.

Rivotril wird angewendet bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen.

Säuglinge, Kleinkinder und Kinder bis zu 10 Jahren oder bis zu 30 kg Körpergewicht:
Initialdosis: täglich 0,01 - 0,03 mg/kg Körpergewicht in 2 - 3 Einzelgaben. Die Dosis soll um nicht  mehr als 0,25 - 0,5 mg jeden dritten Tag gesteigert werden, bis entweder eine Erhaltungsdosis von  0,05 - 0,1 mg/kg Körpergewicht erreicht ist oder die Anfälle beherrscht sind bzw. unerwünschte  Wirkungen eine Dosissteigerung nicht mehr zulassen.
Kinder und Jugendliche zwischen dem 10. und vollendetem 17. Lebensjahr oder über 30 kg  Körpergewicht:
Initialdosis: täglich 1 - 1,5 mg in 2 - 3 Einzelgaben. Diese Dosis kann jeden dritten Tag um nicht  mehr als 0,25 - 0,5 mg gesteigert werden, bis entweder eine individuelle Erhaltungsdosis von etwa  2 - 3 mg täglich erreicht ist oder die Anfälle beherrscht sind bzw. unerwünschte Wirkungen eine  Dosissteigerung nicht mehr zulassen.

Die maximale therapeutische Tagesdosis beträgt für Kinder 0,2 mg/kg Körpergewicht und ist nicht zu überschreiten.

(SmPC Rivotril Tabletten)

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Tabletten 0,5 mg, 2 mg

Anwendungshinweis:

Die Einnahme der Tabletten kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die verfügbaren Tabletten enthalten: Lactose

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Pharmakodynamik

Clonazepam ist ein Benzodiazepin, welches ausgeprägte antikonvulsive Eigenschaften besitzt. Weiters weist es auch sedative, muskelrelaxierende und anxiolytische Wirkung auf. Clonazepam potenziert die prä- und postsynaptische inhibitorische Wirkung von GABA (γ-Aminobuttersäure) im ZNS. Die zentralen Wirkungen von Benzodiazepinen werden durch Verstärkung der GABAergen Neurotransmission an den inhibitorischen Synapsen vermittelt. Bei Vorhandensein von Benzodiazepinen wird die Affinität der GABA-Rezeptoren für den Neurotransmitter durch positive allosterische Modulation erhöht, was zu einer verstärkten Wirkung des freigesetzten GABA auf den postsynaptischen transmembranen Chloridionenfluss führt.

Pharmakokinetik

Die T½ und Cl bei Neugeborenen sind ähnlich wie die bei Erwachsenen (SmPC). Kinder metabolisieren Benzodiazepine im Allgemeinen schneller als Jugendliche und Erwachsene.

Die folgenden pharmakokinetischen Parameter wurden nach intravenöser Verabreichung bei Neugeborenen ermittelt (André):

  Vd (l/kg) Cl (l/h/kg) Terminale Halbwertszeit T1/2 (h)
PNA 0,5-40 Tage; 
Dosis 0,1 mg/kg (n=8)
 
1,5-11,0
PNA 0,5-2,5 Tage (n=5): 0,03-0,06
PNA 25 Tage; 40 Tage (n=2): 0,14; 0,15
19,4-140
PNA 0,5-6 Tage; 
Dosis 0,2 mg/kg
(n=9)
1,8-4,4 0,04-0,07 22,5-74
PNA 44 Tage; 
Dosis 0,2 mg/kg
(n=1)
5,0 0,153 22,5-74

Die folgenden pharmakokinetischen Parameter wurden nach oraler Verabreichung bei Kindern ermittelt:

Alter n= Dosis Cl (ml/h/kg) T1/2 (h) Referenz
2-18 Jahre 10 0,01-0,085 mg/kg/Tag in 3-4 Dosen 7-64 (Mittelwert 25±19) - Walson et al. 1996
6-13 Jahre 4 0,028-0,083 mg/kg/Tag in 3 Dosen - 22,1-32,7 (Mittelwert 28,7) Dreifuss et al. 1975

Dosierungen

Gehe zu:

Epilepsie
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre und < 30 kg
      [8] [9] [10]
      • Initialdosis: 0,03 mg/kg/Tag in 2 - 3 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis schrittweise um max. 0,5 mg in 3 Tagen erhöhen auf 0,05 - 0,1 mg/kg/Tag in 1 Dosis am Abend oder aufgeteilt auf 2-3 Dosen mit der größten Dosis am Abend, max: 0,3 mg/kg/Tag.
    • 1 Monat bis 18 Jahre und ≥ 30 kg
      [8] [11]
      • Initialdosis: 1 - 2 mg/Tag in 2 - 3 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis schrittweise um max. 0,5 mg in 3 Tagen erhöhen auf 1,5 - 4 mg/Tag in 1 Dosis am Abend oder aufgeteilt auf 2-3 Dosen mit der größten Dosis am Abend, max: 10 mg/Tag.
Status epilepticus
  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [4] [7]
      • 0,5 mg/Dosis bei Bedarf wiederholen.
Neonatale Konvulsionen
  • Intravenös
    • Neugeborene
      [3] [12]
      • 0,1 mg/kg/Dosis, bei Bedarf 1-2 x wiederholen.
Akute Angstzustände (kurzzeitige Anwendung)
  • Oral
    • 6 Jahre bis 18 Jahre
      [2] [5] [6]
      • 0,02 - 0,1 mg/kg/Tag in 2 - 3 Dosen.
      • Mit niedriger Initialdosis beginnen und je nach klinischem Ansprechen langsam steigern.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Keine Informationen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung vorhanden.

ANTIEPILEPTIKA

Barbiturate und Derivate
N03AA02
Succinimid-Derivate

Ethosuximid

Petinimid®, Ethosuximid neuraxpharm
N03AD01
Carboxamid-Derivate

Carbamazepin

Tegretol®, Neurotop®
N03AF01

Oxcarbazepin

Trileptal®
N03AF02

Rufinamid

Inovelon®
N03AF03
Fettsäure-Derivate

Valproinsäure (Natriumvalproat)

Convulex®, Depakine®
N03AG01

Vigabatrin

Sabril®
N03AG04
Andere Antiepileptika

Cannabidiol

Epidyolex®
N03AX24

Gabapentin

Neurontin® , Gabadal® , div. Generika
N03AX12

Lacosamid

Vimpat®
N03AX18

Lamotrigin

Lamictal®, diverse Generika
N03AX09

Levetiracetam

Keppra®, diverse Generika
N03AX14

Pregabalin

Lyrica®, Pregamid®, Lyribastad®, Pregatab®, div. Generika
N03AX16

Topiramat

Topamax®, diverse Generika
N03AX11

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Benommenheit und Hypotonie.

Bei Säuglingen und Kleinkindern: vermehrter Speichelfluss und Bronchialhypersekretion (auf die Freihaltung der Atemwege achten).

Insbesondere bei Kindern können paradoxe Reaktionen mit akuter Erregung, Verwirrtheit und Veränderung der geistigen Verfassung auftreten. 

Einzelfälle einer reversiblen, vorzeitigen Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale (inkomplette Pubertas praecox).

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Häufig (1-10%): Depressionen, Müdigkeit, verlangsamte Reaktionen, Muskelhypotonie, Benommenheit und Schwindelgefühl, reversible Störungen wie Dysarthrie, Koordinationsstörungen, Ataxie und Nystagmus, Sehstörungen (Doppelbilder, Nystagmus), v.a. bei Langzeitanwendung und hoher Dosierung, Atemdepression, Muskelhypotonie, Muskelschwäche

Gelegentlich (0,1-1%): Emotionale Störungen und Stimmungsschwankungen, Verwirrtheit, Desorientiertheit, paradoxe Reaktionen wie Unruhe/Rastlosigkeit, Agitiertheit, Erregbarkeit/Reizbarkeit, Aggressivität, Zornanfälle, Feindseligkeit, Alpträume, abnorme Träume, Schlafstörungen, unangemessenes Verhalten und andere Verhaltensstörungen, Nervosität, Angst, Halluzinationen, Psychosen, Hyperaktivität, Wahnvorstellungen, Konzentrationsschwäche

Selten (0,1-0,01%): Thrombozytopenie, Kopfschmerzen, anterograde Amnesie und amnestische Wirkungen können mit unangepasstem Verhalten einhergehen, Angioödem, Kehlkopfödem, Brustschmerzen, Übelkeit, epigastrische Beschwerden, Urtikaria, Pruritus, Hautausschlag, Pigmentverschiebung, vorübergehender Haarausfall, Harninkontinenz, Libidoverlust, erektile Dysfunktion

Sehr selten (< 0,01%): Allergische Reaktionen, anaphylaktischer Schock, Auslösung oder Vermehrung vorbestehender generalisierter Anfälle

Häufigkeit nicht bekannt: Herzinsuffizienz, einschließlich Herzstillstand, Fatigue (Müdigkeit, Mattigkeit)

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

Oral:

  • Schock, Koma, akute Intoxikation mit Alkohol oder Drogen sowie Vergiftung mit anderen auf das ZNS wirkende Substanzen wie Antiepileptika, Schlaf- und Schmerzmittel, Neuroleptika, Antidepressiva und Lithium
  • Arzneimittel-, Drogen- und Alkoholabhängigkeit
  • Schwere respiratorische Insuffizienz
  • Schwere Leberfunktionsstörungen, da Benzodiazepine eine hepatische Enzephalopathie auslösen können
  • Myasthenia gravis
  • Stillende Mütter. Bei zwingender Indikation muss abgestillt werden.

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Intravenöse Verabreichung unter Monitoring der Atmung und des Blutdrucks. Der Antagonist Flumazenil muss vorhanden sein: 0,01 mg/kg, bei Bedarf nach 1 min wiederholen.

Bei Säuglingen und Kleinkindern kann Clonazepam zu vermehrtem Speichelfluss und zu Bronchialhypersekretion führen, weshalb auf die Freihaltung der Atemwege geachtet werden muss.

Langsam über mindestens 2 Wochen ausschleichen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. Landelijk Kenniscentrum Kind-enJeugdpsychiatrie (Ketelaars) [Nationales Kompetenzzentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie], Anxiolytica/hypnotica, 2009
  3. Smit LS et al. , Richtlijnen voor behandeling van neonatale epileptische aanvallen. [Leitlinien für die Behandlung von epileptischen Anfällen bei Neugeborenen] , Nederlands Vlaamse Werkgroep Neonatale Neurologie van de sectie Neonatologie van de NVK en van de Nederlandse Vereniging voor Kinderneurologie, neue aktualisierte Version 06/2012
  4. Waardenburg van DA, et al., Richtlijn status epilepticus kinderen ouder dan één maand. [Leitlinie Status epilepticus bei Kindern ab einem Monat], Nederlandse Vereniging voor Kindergeneeskunde [Niederländische Gesellschaft für Kinderheilkunde], August 2005
  5. Kutcher SP et al. , Successful clonazepam treatment of adolescents with panic disorder. , J Clin Psychopharmacol, 1988, 8(4), 299-301
  6. Graae F et al. , Clonazepam in childhood anxiety disorders, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry, 1994, 33(3), 372-6
  7. Roche Nederland B.V., SPC Rivotril (RVG 06870-3) 31-05-2018, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  8. Bensch J. et al., A double-blind study of clonazepam in the treatment of therapy-resistant epilepsy in children, Dev Med Chil Neurol, 1977, 19, 335-42
  9. Ishikawa A. et al., Clonazepam monotherapy for epilepsy in childhood, Brain Dev, 1985, 7, 610
  10. Sugai K. et al., Seizures with clonazepam: discontinuation and suggestions for safe discontinuation rates in children, Epilepsia, 1993, 34, 1089-97
  11. Mikkelsen B. et al., Clonazepam in the treatment of epilepsy. A controlled clinical trial in simple absences, bilateral massive epileptic myoclonus, and atonic seizures., , Arch Neurol, 1976, 33, 322-5
  12. André M. et al., Clonazepam pharmacokinetics and therapeutic efficacy in neonatal seizures, Eur J Clin Pharmacol, 1986, 30, 585-9
  13. Cheplapharm, SmPC Rivotril 0,5 mg Tabletten (15.943), aufgerufen am 25.02.2022, https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/

Änderungsverzeichnis

  • 01 April 2022 07:05: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung