Oseltamivir

Wirkstoff
Oseltamivir
Handelsname
Tamiflu®
ATC-Code
J05AH02
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Behandlung Influenza
    • Oral
      • Frühgeborene (postkonzeptionelles Alter <36 Wochen): Off-label
      • Neugeborene (postkonzeptionelles Alter ≥36 Wochen) bis 18 Jahre: On-label
  • Influenza-Prävention (nach Exposition)
    • Oral
      • Nach Kontakt mit klinisch diagnostiziertem Influenzafall
        • <1 Jahr: Off-label
        • ≥1 Jahr: On-label
      • Während eines pandemischen Influenzaausbruchs
        • On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Hartkapseln 30 mg, 45 mg, 75 mg
Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 6 mg/ml

Allgemein

Sowohl die Hartkapseln als auch das Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen enthalten Oseltamivir in Form von Oseltamivir-Phosphat. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich auf die Reinform. Die Einnahme kann jeweils unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Darreichungsform Stärke Problematische Hilfsstoffe
TAMIFLU® Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 6 mg/ml Sorbitol, Natriumbenzoat, Saccharin, Propylenglykol

Die Fachinformationen wurden 07/2019 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Oseltamivirphosphat ist ein Prodrug des aktiven Metaboliten Oseltamivircarboxylat. Der aktive Metabolit ist ein selektiver Inhibitor der Neuraminidasen von Influenzaviren. Neuraminidasen besitzen enzymatische Aktivität und sind sowohl für das Eindringen des Virus in eine noch nicht infizierte Zelle, als auch für die Ausschleusung von neu gebildeten Viruspartikeln aus infizierten Zellen und deren weitere Verbreitung im Körper relevant.

Pharmakokinetik

< 1 Jahr:
Die Ergebnisse zeigen, dass Dosierungen von 3 mg/kg in 2 Dosen pro Tag bei Säuglingen zwischen 3-12 Monaten und 2,5 mg/kg in 2 Dosen pro Tag bei Säuglingen zwischen 1-3 Monaten zu Expositionen führen, die mit jenen vergleichbar sind, die sich bei Erwachsenen und Kindern ab 1 Jahr als klinisch wirksam erwiesen haben.

> 1 Jahr: Kleinkinder scheiden sowohl die Prodrug als auch den aktiven Metaboliten schneller aus als Erwachsene, was zu einer geringeren Exposition bei einer bestimmten mg/kg Dosis führt. Dosen von 2 mg/kg führen zu einer vergleichbaren Exposition von Oseltamivircarboxylat wie bei Erwachsenen, denen 75 mg in 1 Dosis pro Tag (ca. 1 mg/kg) verabreicht worden ist. Die Pharmakokinetik von Oseltamivir bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren ist ähnlich wie bei Erwachsenen.
 

Dosierungen

Therapie der Influenza
  • Oral
    • Neugeborene
      • 6 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        5 Tage

    • 1 Monat bis 1 Jahr und < 15 kg
      [2] [6]
      • 6 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        5 Tage

      • Der Saft schmeckt sehr bitter. Der Saft kann mit sehr süßem Limonadensirup oder konzentriertem Fruchtsaft (z.B. Dicksaft) vermischt werden.

    • ≥ 1 Jahr und 10 bis 15 kg
      [2] [6]
      • 60 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        5 Tage

      • Der Saft schmeckt sehr bitter. Der Saft kann mit sehr süßem Limonadensirup oder konzentriertem Fruchtsaft (z.B. Dicksaft) vermischt werden.

    • ≥ 1 Jahr und 15 bis 24 kg
      [2] [6]
      • 90 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        5 Tage

      • Der Saft schmeckt sehr bitter. Der Saft kann mit sehr süßem Limonadensirup oder konzentriertem Fruchtsaft (z.B. Dicksaft) vermischt werden.

    • ≥ 1 Jahr und 24 bis 40 kg
      [2] [6]
      • 120 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        5 Tage

      • Der Saft schmeckt sehr bitter. Der Saft kann mit sehr süßem Limonadensirup oder konzentriertem Fruchtsaft (z.B. Dicksaft) vermischt werden.

    • ≥ 1 Jahr und ≥ 40 kg
      [2] [6]
      • 150 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        5 Tage

      • Der Saft schmeckt sehr bitter. Der Saft kann mit sehr süßem Limonadensirup oder konzentriertem Fruchtsaft (z.B. Dicksaft) vermischt werden.

Postexpositions-Prophylaxe der Influenza
  • Oral
    • Neugeborene
      • 3 mg/kg/Tag in 1 Dosis
    • 1 Monat bis 1 Jahr und < 15 kg
      [2] [6]
      • 3 mg/kg/Tag in 1 Dosis
      • Der Saft schmeckt sehr bitter. Der Saft kann mit sehr süßem Limonadensirup oder konzentriertem Fruchtsaft (z.B. Dicksaft) vermischt werden.

    • ≥ 1 Jahr und 10 bis 15 kg
      [2] [6]
      • 30 mg/Tag in 1 Dosis
      • Behandlungsdauer:

        10 Tage

      • Der Saft schmeckt sehr bitter. Der Saft kann mit sehr süßem Limonadensirup oder konzentriertem Fruchtsaft (z.B. Dicksaft) vermischt werden.

    • ≥ 1 Jahr und 15 bis 24 kg
      [2] [6]
      • 45 mg/Tag in 1 Dosis
      • Behandlungsdauer:

        10 Tage

      • Der Saft schmeckt sehr bitter. Der Saft kann mit sehr süßem Limonadensirup oder konzentriertem Fruchtsaft (z.B. Dicksaft) vermischt werden.

    • ≥ 1 Jahr und 24 bis 40 kg
      [2] [6]
      • 60 mg/Tag in 1 Dosis
      • Behandlungsdauer:

        10 Tage

      • Der Saft schmeckt sehr bitter. Der Saft kann mit sehr süßem Limonadensirup oder konzentriertem Fruchtsaft (z.B. Dicksaft) vermischt werden.

    • ≥ 1 Jahr und ≥ 40 kg
      [2] [6]
      • 75 mg/Tag in 1 Dosis
      • Behandlungsdauer:

        10 Tage

      • Der Saft schmeckt sehr bitter. Der Saft kann mit sehr süßem Limonadensirup oder konzentriertem Fruchtsaft (z.B. Dicksaft) vermischt werden.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Anpassung nicht erforderlich
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
100 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 24 Stunden
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
100 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 24 Stunden
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Eine allgemeingültige Empfehlung kann nicht gegeben werden.
Bei Dialyse

Intermittierende Hämodialyse

  • Kinder >1 Jahr und Jugendliche:
    • ≤15 kg: 7,5 mg nach der Hämodialyse
    • 16 bis 23 kg: 10 mg nach der Hämodialyse
    • 24 bis 40 kg: 15 mg nach der Hämodialyse
    • >40 kg: 30 mg nach der Hämodialyse

(Schreuder 2010)

DIREKT WIRKENDE ANTIVIRALE MITTEL

Nukleoside und Nukleotide, exkl. Inhibitoren der Reversen Transkriptase

Aciclovir

Zovirax®, diverse Generika
J05AB01

Ganciclovir

Cymevene®
J05AB06

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Kinder > 12 Jahre:

Sehr häufig (> 10%): Kopfschmerzen, Übelkeit.

Häufig (1-10 %): Dyspepsie, Erbrechen, (Ober-)bauchschmerzen. Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Fieber, Schmerzen (auch Gliederschmerzen). Husten, Halsentzündung, Rhinorrhoe, Nasopharyngitis, Sinusitis, andere Infektionen der oberen Atemwege, Bronchitis. Herpes-simplex-Infektionen. Schlaflosigkeit.

Gelegentlich (0,1-1 %): Überempfindlichkeitsreaktion. Hautausschlag, Ekzeme, Dermatitis, Urtikaria. Veränderter Bewusstseinsgrad, Krampfanfälle. Kardiale Arrthythmien. Erhöhte Leberenzyme.

Selten (0,01-0,1%): Anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen. Angioödem, Erythema mulftiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse. (Fulminante) Hepatitis, Leberversagen. Magen-Darm-Blutungen, hämorrhagische Kolitis. Albträume, Agitation, Angst, Verwirrung, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Delirium, anormales Verhalten, Selbstverletzung. Sehstörungen. Thrombozytopenie.

Kinder bis 12 Jahre:

Bei Kindern bis 12 Jahren: sehr häufig (> 10%): Husten, verstopfte Nase. Erbrechen.

Häufig (1-10%): Übelkeit, Dyspepsie, Bauchschmerzen. Kopfschmerzen. Ohrenschmerzen, Otitis media. Rhinorrhoe. Konjunktivitis.

Gelegentlich (0,1-1%): Trommelfellerkrankung. Dermatitis (z.B. allergisch, atopisch).

Neuropsychiatrische Nebenwirkungen (einschließlich Delirium inkl. Symptomen wie Verwirrtheit, Halluzinationen, Erregung, Angst und Albträume) wurden vor allem bei pädiatrischen und jugendlichen Patienten verzeichnet.

Bei Säuglingen bis zu einem Jahr sind Erbrechen, Durchfall und Windeldermatitis die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen, wobei das weitere Nebenwirkungsprofil dem von älteren Kindern entspricht.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Kopfschmerzen, Übelkeit, Bronchitis, Herpes simplex, Nasopharyngitis, Infektionen der oberen Atemwege, Sinusitis, Schlaflosigkeit, Husten, Halsentzündung, Rhinorrhoe, Erbrechen, Bauchschmerzen (inklusive Schmerzen im Oberbrauch), Dyspepsie, Schmerzen, Benommenheit (inkl. Schwindel), Abgeschlagenheit, Fieber, Gliederschmerzen

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Eltern/Erziehungsberechtigte sollen dazu angehalten werden auf Verhaltens- und Bewusstseinsveränderungen zu achten und sobald solche auftreten, den behandelnden Arzt zu kontaktieren.

Überdosierungen wurden bei Kindern häufiger beobachtet als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Vorsicht bei Zubereitung der Tamiflu-Suspension und bei Verabreichung an Kinder.

Eine Resistenz von Influenzaviren gegen Oseltamivir kann auftreten. Die Empfindlichkeit gegenüber Oseltamivir und die Prävalenz solcher Viren (z.B. die Resistenz-assoziierte Mutation H275Y des H1N1-Stammes) scheinen saisonal und geografisch zu variieren. Die Entwicklung von Oseltamivir-resistenten Viren ist bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen (bei Erwachsenen <1%, bei Säuglingen <1 Jahr bis zu 18 %). Kinder, die Träger des Oseltamivir-resistenten Virus sind, übertragen das Virus über einen längeren Zeitraum. Jedoch wurde durch eine therapiebedingte Oseltamivir-Resistenz das Ansprechen auf die Behandlung nicht beeinträchtigt und auch die Influenzasymptome hielten nicht länger an. Die Inzidenz einer Oseltamivir-Resistenz ist bei immungeschwächten Patienten ebenfalls höher. Tritt eine Resistenz auf, kann das Virus über einen längeren Zeitraum verbreitet werden.

Über neuropsychiatrische Nebenwirkungen wurde insbesondere bei Kindern und Jugendlichen berichtet; ein kausaler Zusammenhang mit der Therapie wurde jedoch noch nicht nachgewiesen. Dennoch wird empfohlen, die Patienten engmaschig auf Verhaltensänderungen zu überwachen.

Darüber hinaus sind Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern mit eingeschränkter Leberfunktion nicht ausreichend belegt.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Oseltamivir ist kein Ersatz für eine Grippeschutzimpfung.
  • Die Empfindlichkeit zirkulierender Influenza-Viren gegenüber Oseltamivir ist höchst unterschiedlich.
  • Die Wirksamkeit von Oseltamivir zur Therapie oder Prophylaxe der Influenza bei immungeschwächten Patienten wurde nicht vollständig nachgewiesen. Die Therapie bei immungeschwächten Erwachsenen Patienten sollte 10 Tage betragen.
  • Die Sicherheit und Wirksamkeit wurde bei Patienten mit einer schweren oder instabilen Krankheit nicht nachgewiesen.
  • Vorsicht bei chronischen kardialen und respiratorischen Erkrankungen, die Wirksamkeit von Oseltamivir zur Therapie ist nicht gesichert.
  • Oseltamivir ist nur gegen Erkrankungen, die durch Influenza-Viren verursacht werden, wirksam.
  • Oseltamivir darf nur dann zur Therapie und Prophylaxe angewendet werden, wenn verlässliche epidemiologische Daten darauf hindeuten, dass Influenzaviren in der Bevölkerung zirkulieren.
  • Selten sind schwere Überempfindlichkeitsreaktionen wie anaphylaktische oder schwere dermatologische Reaktionen (u.a. Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse) aufgetreten.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Probenecid führt zu einem ca. zweifach erhöhten Anstieg des Metaboliten von Oseltamivir. 

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Hartwig NC, et al, Vademecum pediatrische antimicrobiele therapie [Vademecum pädiatrische antimikrobielle Therapie], 2005
  2. Roche registration limited, SPC Tamiflu. EU/1/02/222/003, dd 20 juni 2012
  3. EMEA/CHMP, FOLLOW-UP RECOMMENDATIONS FROM CHMP on Novel Influenza (H1N1) outbreak, EMEA/H/A-5.3/1172 Regulation (EC) No 726/2004 Article 5(3), 7 mei 2009, 3
  4. Gezondheisraad [Gesundheitsrat], Advies Antivirale middelen bij een grieppandemie [Empfehlung Antiviraler Medikamente bei einer Grippepandemie], 08 Dez 2015, Pulicatienr. 2015/30 [Publikation 2015/30]
  5. Roche, SmPC Tamiflu 30 mg Htkps. (EU-1-02-222-003), https://www.univadis.at/, 01/2019
  6. Roche, SmPC Tamiflu 6 mg/ml Plv. z. Herst. e. Susp. z. Einn. (EU-1-02-222-005), https://www.univadis.at/, 01/2019
  7. Schreuder, MF, et al., Oseltamivir dosing in children undergoing hemodialysis, Clin Infect Dis, 2010, 15, 50(10), 1427-8

Änderungsverzeichnis

  • 19 November 2021 09:42: Aktualisierung der unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Warnhinweise bei Kindern
  • 28 August 2019 16:00: Neue Monographie "Oseltamivir"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung