Valaciclovir

Wirkstoff
Valaciclovir
Handelsname
Valtrex®, Viropel®
ATC-Code
J05AB11
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Herpes-simplex-Virus (HSV)-Infektionen
    • Oral
      • ≥12 Jahre: On-label
  • Herpes labialis
    • Oral
      • On-label
  • Prävention von rezidivierendem Herpes Genitalis
    • Oral
      • On-label
  • Herpes zoster
    • Oral
      • Off-label
  • Varicella-zoster-Virus (VZV)- und Herpes-simplex-Virus (HSV)-Infektionen (immunsupprimiert)
    • Oral
      • Off-label
  • Prophylaxe Varicella-zoster-Virus (VZV)- und Herpes-simplex-Virus (HSV)-Infektionen nach Stammzelltransplantation
    • Oral
      • Off-label
  • Prophylaxe Zytomegalievirus (CMV)-Infektion nach Organtransplantation
    • Oral
      • ≥12 Jahre: On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Oral, Herpes-simplex-Virus (HSV)-Infektionen:
- zur Behandlung und Suppression von HSV-Infektionen der Haut und Schleimhäute, einschließlich Behandlung von primärem Herpes genitalis bei immunkompetenten Erwachsenen und Jugendlichen, Behandlung von rezidivierendem Herpes genitalis bei immunkompetenten Erwachsenen
und Jugendlichen, Suppression von rezidivierendem Herpes genitalis bei immunkompetenten Erwachsenen und Jugendlichen
- zur Behandlung und Suppression von rezidivierenden HSV-Infektionen der Augen bei immunkompetenten Erwachsenen und Jugendlichen

Die Dosierung von Valaciclovir sollte entsprechend der Kreatinin-Clearance reduziert werden.

  • Suppression von HSV-Infektionen der Haut und Schleimhäute
    Immunkompetente Erwachsene und Jugendliche (≥ 12 Jahre):
    1-mal täglich 500 mg. Einige Patienten mit häufigen Rezidiven (≥ 10/Jahr ohne
    Therapie) können von einer Aufteilung der Tagesdosis von 500 mg auf 2-mal täglich 250 mg zusätzlich profitieren. Die Behandlung sollte nach 6 bis 12 Monaten erneut beurteilt werden.
  • Behandlung von HSV-Infektionen der Haut und Schleimhäute
    Immunkompetente Erwachsene und Jugendliche (≥ 12 Jahre):  
    2-mal täglich 500 mg (tägliche Gesamtdosis: 1000 mg)
    rezidivierende HSV-Infektionen: Behandlungsdauer 3 bis 5 Tage
    Bei Erstinfektionen, die schwerer sein können, kann es notwendig sein, die Behandlung auf 10 Tage auszudehnen
  • Herpes labialis:
    Erwachsene und Jugendliche:
    2-mal täglich 2000 mg an einem Tag, die zweite Dosis sollte im Abstand von etwa 12 Stunden (aber nicht früher als 6 Stunden) nach der ersten Dosis genommen werde. Die Behandlung sollte nicht länger als einen Tag dauern. Die Therapie sollte bei den ersten Symptomen eines Lippenherpes (z.B. Kribbeln, Jucken oder Brennen) begonnen werden.

Oral, zur Prophylaxe einer Zytomegalie-Virus (CMV)-Infektion und –Erkrankung nach einer Organtransplantation bei Erwachsenen und Jugendlichen:
4-mal täglich 2000 mg. Die Behandlung sollte so früh wie möglich nach der Transplantation begonnen werden. Üblicherweise beträgt die Behandlungsdauer 90 Tage, die jedoch bei Hochrisiko-Patienten möglicherweise verlängert werden muss.

Oral, Varicella-zoster-Virus (VZV)-Infektionen: 
- zur Behandlung von Herpes zoster (Gürtelrose) und Zoster ophthalmicus bei immunkompetenten Erwachsenen
- zur Behandlung von Herpes zoster bei Erwachsenen mit leichter oder mäßiger Immunsuppression
nur für Erwachsene zugelassen

(SmPC Valtrex Filmtabletten)

 

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Filmtabletten 500 mg, 1000 mg

Valaciclovir liegt in den verfügbaren Filmtabletten als Valaciclovirhydrochlorid vor. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Valaciclovir.

Anwendungshinweis:

Zum Einnehmen.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die Filmtabletten enthalten – je nach Hersteller – Polysorbat 80.

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Pharmakodynamik

Valaciclovir, ein Virustatikum, ist der L-Valin-Ester von Aciclovir. Aciclovir ist ein Purin (Guanin)-Nukleosidanalogon. Valaciclovir wird rasch und fast vollständig, vermutlich durch das Enzym Valaciclovir-Hydrolase zu Aciclovir und Valin hydrolisiert. Aciclovir ist ein spezifischer Inhibitor von Herpesviren mit In-Vitro-Wirksamkeit gegen Herpes-simplex-Virus (HSV)-Typ 1 und 2, Varicella-zoster-Virus (VZV), Zytomegalie-Virus (CMV), Epstein-Barr-Virus (EBV) und das menschliche Herpes-Virus 6 (HHV-6). Aciclovir wird im Organismus zu Aciclovirtriphosphat phosphoryliert, welches eine Hemmung der Herpes-Virus-DNA-Synthese bewirkt.

Pharmakokinetik

Die folgenden pharmakokinetischen Parameter (Aciclovir) wurden nach einer einmaligen oralen Verabreichung von 25 mg/kg Valaciclovir bei immunkompetenten Kindern bis zu 6 Jahren ermittelt (Kimberlin 2010):

  1-2 Monate 3-5 Monate  6-11 Monate 1 Jahr 2 - 5 Jahre
n= 9 9 7 9 12
Cmax (mg/l) 7 5,2 4,9 4,9 6,5
T½ (h) 2 1,8 1,3 1,3 1,5
Cl (ml/min/kg) 11 21,6 21,9 21,2 14,9

Die folgenden pharmakokinetischen Parameter (Aciclovir) wurden bei Kindern im Alter von 1 bis 18 Jahren nach oraler Verabreichung von Valaciclovir ermittelt (Nadal 2002, Bomgaars 2008, Kimberlin 2010, Eksborg 2002, Simon 2002):

  Immunkompetent Immunsupprimiert
Vd (L/kg) 3,01-3,79 1,34-3,49
Cmax (mg/ml) 10 mg/kg: 2,41
20 mg/kg: 4,38
500 mg: 3,16
250 mg: 4,11
500 mg: 5,12-5,27
Tmax (h) 1,15-1,88 1,41-2,62
T½ (h) 1,3-2,1 1,35-2,51
Cl (ml/min/kg) 11-25,5 9,1-19
F (%) 45-51 % 45-64 %

Dosierungen

Gehe zu:

Herpes-simplex-Virus (HSV)-Infektionen
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • 30 mg/kg/Tag in 2 Dosen. Max: 1.000 mg/Tag.
Herpes labialis
  • Oral
    • 12 Jahre bis 18 Jahre
      [10]
      • 4.000 mg/Tag in 2 Dosen. Behandlungsbeginn innerhalb von 24-48 h.
      • Behandlungsdauer:

        1 Tag

Prävention von rezidivierendem Herpes Genitalis
  • Oral
    • 12 Jahre bis 18 Jahre
      [10]
      • 500 mg/Tag in 1 Dosis Bei sehr häufigen Rezidiven (über 10 pro Jahr ohne Behandlung): 500 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        Die Behandlung sollte nach 6 bis 12 Monaten erneut beurteilt werden

Varicella-zoster-Virus (VZV)- und Herpes-simplex-Virus (HSV)-Infektionen (immunsupprimiert)
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [5]
      • 60 mg/kg/Tag in 3 Dosen. Max: 3.000 mg/Tag.
Prophylaxe VZV- und HSV-Infektionen nach Stammzelltransplantation
  • Oral
    • ≥ 1 Monat und < 40 kg
      [11]
      • 20 mg/kg/Tag in 2 Dosen. Max: 1.000 mg/Tag.
    • ≥ 40 kg
      [11]
      • 1.000 mg/Tag in 2 Dosen.
Prophylaxe Zytomegalievirus (CMV)-Infektion nach Organtransplantation
  • Oral
    • 1 Monat bis 12 Jahre
      [10]
      • 1.000 mg/m2/Tag in 3 Dosen. Max: 2.000 mg/Dosis.
    • 12 Jahre bis 18 Jahre
      [10]
      • 8.000 mg/Tag in 4 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        90 Tage

Herpes zoster
  • Oral

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung je Indikation wie folgt:
(Quelle: KNMP Nierenfunktionsstörungen, SmPC Zelitrex)

HSV-Infektion, Herpes zoster, VZV- und HSV-Infektion bei Patient*innen mit geschwächtem Immunsystem:
GFR 50-80 ml/min/1.73 m2: Keine Anpassung erforderlich
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2: 100 % der normalen Einzeldosis und Intervall zwischen 2 Verabreichungen: 12 h
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2: 100 % der normalen Einzeldosis und Intervall zwischen 2 Verabreichungen: 24 h
GFR < 10 ml/min/1.73 m2: 50 % der normalen Einzeldosis und Intervall zwischen 2 Verabreichungen: 24 h

Prophylaxe von rezidivierendem Herpes Genitalis: 
GFR 50-80 ml/min/1.73 m2: Keine Anpassung erforderlich
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2: Keine Anpassung erforderlich
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2: 50 % der normalen Einzeldosis und Intervall zwischen 2 Verabreichungen: 24 h
GFR < 10 ml/min/1.73 m2: 50 % der normalen Einzeldosis und Intervall zwischen 2 Verabreichungen: 24 h

Herpes labialis:
GFR 50-80 ml/min/1.73 m2: Keine Anpassung erforderlich
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2: 50 % der normalen Einzeldosis und Intervall zwischen 2 Verabreichungen: 12 h
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2: 25 % der normalen Einzeldosis und Intervall zwischen 2 Verabreichungen: 12 h
GFR < 10 ml/min/1.73 m2: einmalig 25% der normalen Einzeldosis

Prophylaxe CMV-Infektion nach Organtransplantation:
GFR 50-80 ml/min/1.73 m2: Keine Anpassung erforderlich
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2: 750 mg/m2/Tag in 2 Einzeldosen
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2: 500 mg/m2/Tag in 1 Einzeldosis
GFR < 10 ml/min/1.73 m2: 250 mg/m2/Tag in 1 Einzeldosis

Klinische Konsequenzen

Risiko für neurologische Reaktionen, wie z.B. Verwirrtheit und Halluzinationen.
Bei Anwendung hoher Dosen (8 g pro Tag) in klinischen Studien bei Patient*innen mit geschwächtem Immunsystem wurden Niereninsuffizienz, mikroangiopathische hämolytische Anämie und Thrombozytopenie berichtet.
In einer Fallkontrollstudie wurde festgestellt, dass in der Gruppe der Patient*innen mit neurologischen Symptomen die Kreatinin-Clearance im Durchschnitt geringer war und die Spiegel von Aciclovir und des Metaboliten 9-Carboxymethoxymethylguanin im Durchschnitt höher waren als in der Gruppe der Patient*innen ohne neurologische Symptome. Personen mit einer Kreatinin-Clearance unter 10 ml/min wurden ebenfalls in diese Studie eingeschlossen.
Wenn der Talspiegel nicht hoch genug ist, reicht die antivirale Wirkung möglicherweise nicht aus; dies kann zu Resistenzen führen.

Bei Dialyse

Bei Hämodialyse nach der Dialyse verabreichen.

DIREKT WIRKENDE ANTIVIRALE MITTEL

Nukleoside und Nukleotide, exkl. Inhibitoren der Reversen Transkriptase

Aciclovir

Zovirax®, diverse Generika
J05AB01

Ganciclovir

Cymevene®
J05AB06

Valganciclovir

Valcyte®, div. Generika
J05AB14
Neuraminidasehemmer

Oseltamivir

Tamiflu®
J05AH02

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Übelkeit und Erbrechen.
Laut FDA sind die Nebenwirkungen bei Kindern ähnlich wie bei Erwachsenen, sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer Intensität.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): Kopfschmerzen

Häufig (1-10%): Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge einschließlich Photosensibiltätsreaktionen, Pruritus

Gelegentlich (0,1-1%): Leukopenie, Thrombozytopenie, Verwirrtheit, Halluzination, Bewusstseinstrübung, Tremor, Unruhe, Dyspnoe, Bauchbeschwerden, vorübergehender Anstieg der Leber-Laborwerte (z.B. Bilirubin, Leberenzyme), Urtikaria, Nierenschmerzen, Hämaturie (oft in Verbindung mit anderen Zwischenfällen mit der Niere)

Selten (0,1-0,01%): Anaphylaxie, Ataxie, Dysarthrie, Krampfanfälle, Enzephalopathie, Koma, Psychosen, Delirium, angioneurotisches Ödem (Quincke-Ödem), Nierenfunktionsstörungen, akutes Nierenversagen (besonders bei älteren Patienten oder bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen, die eine höhere als die empfohlene Dosierung erhielten)

Häufigkeit nicht bekannt: Arzneimittelreaktion mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS)

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

Neben Überempfindlichkeiten gegen den Wirkstoff (auch gegen Aciclovir) oder einen sonstigen Bestandteil sind keine weiteren Gegenanzeigen bekannt.

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Das Kreatinin sollte 2 x pro Woche bestimmt werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Hartwig NC, et al, Vademecum pediatrische antimicrobiele therapie [Vademecum pädiatrische antimikrobielle Therapie], 2005
  2. Nadal D, et al, An investigation of the steady-state pharmacokinetics of oral valacyclovir in immunocompromised children, J Infect Dis, 2002, Oct 15;186 Suppl 1, S123-30
  3. Zeng L, et al, Population pharmacokinetics of acyclovir in children and young people with malignancy after administration of intravenous acyclovir or oral valacyclovir, Antimicrob Agents Chemother, 2009, Jul;53(7), 2918-27
  4. Bomgaars L, et al, Valacyclovir and acyclovir pharmacokinetics in immunocompromised children, Pediatr Blood Cancer, 2008, Oct;51(4), 504-8
  5. Kimberlin DW, et al, Pharmacokinetics and safety of extemporaneously compounded valacyclovir oral suspension in pediatric patients from 1 month through 11 years of age, Clin Infect Dis, 2010, Jan 15;50(2), 221-8
  6. Eksborg S, et al, Pharmacokinetics of acyclovir in immunocompromized children with leukopenia and mucositis after chemotherapy: can intravenous acyclovir be substituted by oral valacyclovir?, Med Pediatr Oncol, 2002, Apr;38(4), 240-6
  7. Simon MW, et al, Pharmacokinetics and safety of valaciclovir in children with Epstein-Barr virus illness, Drugs R D, 2002, 3(6), 365-73
  8. Kimberlin DW., Herpes simplex virus infections in neonates and early childhood, Semin Pediatr Infect Dis, 2005, Oct;16(4), 271-81
  9. Spruance SL, et al, High-dose, short-duration, early valacyclovir therapy for episodic treatment of cold sores: results of two randomized, placebo-controlled, multicenter studies, Antimicrob Agents Chemother, 2003, Mar;47(3), 1072-80
  10. GlaxoSmithKline BV, SpC Zelitrex (RCG 21719 en 18065) 07-04-2014, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  11. Erard V et al. , One-year acyclovir prophylaxis for preventing varicella-zoster virus disease after hematopoietic cell transplantation: no evidence of rebound varicella-zoster virus disease after drug discontinuation., Blood., 2007 , Oct 15;110(8), 3071-7
  12. Kechagia IA et al., Extrapolation of valacyclovir posology to children based on pharmacokinetic modelling, Pediatr Infect Dis J., 2015 Dec, 34(12), 1342-8
  13. GlaxoSmithKline Pharma GmbH, SmPC Valtrex Filmtabletten 500 mg (1-21007), aufgerufen am 11.05.2022, https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/

Änderungsverzeichnis

  • 25 August 2022 13:29: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung