Valganciclovir

Wirkstoff
Valganciclovir
Handelsname
Valcyte®, div. Generika
ATC-Code
J05AB14
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Prophylaxe Zytomegalievirus (CMV) Infektionen bei Organtransplantationen
    • Oral
      • Off-label
  • Behandlung einer angeborenen symptomatischen Zytomegalievirus (CMV) Infektion
    • Oral
      • Off-label
  • Behandlung Zytomegalievirus (CMV) Infektion
    • Oral
      • Off-label
  • Behandlung Epstein-Barr-Virus nach Lebertransplantation
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Oral, zur Prophylaxe einer CMV-Erkrankung bei CMV-negativen Erwachsenen und Kindern (ab der Geburt und bis 18 Jahren), die ein Organtransplantat von einem CMV-positiven Spender erhalten haben

Bei Kindern und Jugendlichen basiert die empfohlene, einmal täglich eingenommene Dosis auf der Körperoberfläche (KOF) gemäß der Mosteller-BSA-Formel, sowie auf der Kreatininclearance (CrCl) nach Schwartz (CrCLS) und wird anhand der folgenden Formel berechnet:
Pädiatrische Dosis (mg) = 7 x KOF x CrCLS (s. Fachinformation)
Für Patienten älter als 16 Jahre gilt die Erwachsenendosis.

Kinder und Jugendliche nach Nierentransplantation: Beginn der Gabe der empfohlenen Dosis (mg = 7 x KOF x CrCLS) einmal täglich innerhalb von 10 Tagen nach der Transplantation und bis 200 Tage nach der Transplantation fortführen.
Kinder und Jugendliche nach einer anderen Organtransplantation als einer
Nierentransplantation: Beginn der Gabe der empfohlenen Dosis (mg = 7 x KOF x CrCLS) einmal täglich innerhalb von 10 Tagen nach der Transplantation und bis 100 Tage nach der Transplantation fortführen.

Für die tatsächlich gegebene Dosis sollten alle berechneten Dosen auf die nächsten 25 mg gerundet werden. Wenn die berechnete Dosis 900 mg überschreitet, sollte eine Maximaldosis von 900 mg gegeben werden. Die Lösung zum Einnehmen ist die bevorzugte Darreichungsform, da diese eine Dosierung nach der obigen Formel ermöglicht. Es können jedoch auch Vaganciclovir Filmtabletten gegeben werden, wenn die berechneten Dosen innerhalb von 10 % der verfügbaren Tablettendosis liegen und der Patient in der Lage ist, die Tabletten zu schlucken. 

Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren: 900 mg 1x täglich.

(SmPC Valcyte)

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Filmtabletten 450 mg
Pulver zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen 50 mg/ml

Valganciclovir liegt in den verfügbaren Präparaten in Form von Valganciclovirhydrochlorid vor. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Valganciclovir.

Anwendungshinweis:

Die Einnahme von Valganciclovir sollte zusammen mit einer Mahlzeit erfolgen. 

Allgemeiner Hinweis: Potenziell teratogen und karzinogen! Beim Umgang mit zerbrochenen Tabletten ist Vorsicht geboten. Direkter Kontakt von zerbrochenen oder zerdrückten Tabletten mit Haut oder Schleimhäuten ist zu vermeiden. Die Filmtabletten dürfen nicht zerbrochen oder zerdrückt werden. Wenn es dennoch zu einem solchen Kontakt kommt, ist die Berührungsstelle gründlich mit Wasser und Seife zu reinigen.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Das Pulver zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen enthält: Natriumbenzoat, Saccharin-Natrium, Propylenglycol
Die Filmtabletten enthalten – je nach Hersteller- Lactose, Polysorbat 80

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Pharmakodynamik

Valganciclovir ist ein L-Valinester (Prodrug) von Ganciclovir. Nach oraler Verabreichung wird Valganciclovir rasch und umfassend von den intestinalen und hepatischen Esterasen zu Ganciclovir metabolisiert. Ganciclovir ist ein synthetisches Analogon von 2'-Desoxyguanosin und hemmt die Replikation von Herpesviren. Die virostatische Aktivität von Ganciclovir basiert auf der Hemmung der viralen DNA-Synthese.

Pharmakokinetik

Bioverfügbarkeit = 40 - 60 %
T1/2= 2 - 5,5 h
Cl= ±0.30 L/h/kg (je nach Gewicht und Nierenfunktion)

Erwachsene: 900 mg oral (Valganciclovir) entsprechen 5 mg/kg intravenös (Ganciclovir) je 2 x täglich (SmPC Valcyte)

Dosierungen

Gehe zu:

Prophylaxe Zytomegalievirus (CMV)-Infektion nach Organtransplantation
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • 520 mg/m2/Tag in 1 Dosis. Max: 900 mg/Tag.
Behandlung einer angeborenen symptomatischen Zytomegalievirus (CMV) Infektion
  • Oral
    • Neugeborene
      [10] [11] [12] [13] [15]
      • 32 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        insgesamt 6 Wochen (Ganciclovir plus Valganciclovir)

      •  Eventuell mit Ganciclovir beginnen, bis orale Verabreichung möglich ist. 

Behandlung Zytomegalievirus (CMV) Infektion
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • 900 mg/m2/Tag in 2 Dosen. Max: 1.800 mg/Tag.
Behandlung Epstein-Barr-Virus nach Lebertransplantation
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • 25 mg/kg/Tag in 2 Dosen.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
100 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 24 Stunden
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Dosisanpassung je nach Spiegeln, Intervall zwischen 2 Einzeldosen 48 Stunden
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
Dosisanpassung je nach Spiegeln, Intervall zwischen 2 Einzeldosen 48 Stunden
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Dosisanpassung je nach Spiegeln, Intervall zwischen 2 Einzeldosen 48-96 Stunden

DIREKT WIRKENDE ANTIVIRALE MITTEL

Nukleoside und Nukleotide, exkl. Inhibitoren der Reversen Transkriptase

Aciclovir

Zovirax®, diverse Generika
J05AB01

Ganciclovir

Cymevene®
J05AB06

Valaciclovir

Valtrex®, Viropel®
J05AB11
Neuraminidasehemmer

Oseltamivir

Tamiflu®
J05AH02

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Geringere Inzidenz von Übelkeit, Obstipation und Abstoßung des Spenderorgans. Höhere Inzidenz für Infektion der oberen Atemwege, Erbrechen und Pyrexie. (Vaudry et al., Anmerkung: kursiv = eventuell kein kausaler Zusammenhang zur Behandlung und es handelt sich um einen Cross-Study-Vergleich)

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen in pädiatrischen klinischen Studien waren Durchfall, Übelkeit, Neutropenie, Leukopenie und Anämie (SmPC Valcyte®).

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): Infektionen der oberen Atemwege, Neutropenie, Anämie, verminderter Appetit, Kopfschmerzen, Husten, Dyspnö, Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Dermatitis, Pyrexie, Fatigue, Candida-Infektionen einschließlich oraler Candidose

Häufig (1-10%): Sepsis, Influenza, Infektionen des Harntrakts, Zellgewebsentzündung, Thrombozytopenie, Leukopenie, Panzytopenie, Hypersensitivität, Gewichtsverlust, Depression, Verwirrtheit, Angstzustände, Schlaflosigkeit, periphere Neuropathie, Schwindel, Parästhesie, Hypästhesie, Krampfanfälle, Dysgeusie (Geschmacksstörungen), Sehstörungen, Netzhautablösung, Mouches volantes, Augenschmerzen, Konjunktivitis, Makulaödem, Ohrenschmerzen, Hypotonie, Dyspepsie, Flatulenz, Oberbauchschmerzen, Obstipation, Mundgeschwüre, Dysphagie, abdominale Überdehnung/ geblähtes Abdomen, Pankreatitis, alkalische Phosphatase im Blut erhöht,  Leberfunktionsstörung, Aspartataminotransferase erhöht, Alaninaminotransferase erhöht, Nachtschweiß, Pruritus, Ausschlag, Alopezie, Rückenschmerzen, Myalgie, Arthralgie, Muskelkrämpfe, Nierenfunktionsstörungen, reduzierte renale Kreatininclearance, erhöhte Kreatininwerte im Blut, Schmerzen, Schüttelfrost, Unwohlsein, Asthenie

Gelegentlich (0,1-1%): Knochenmarkversagen, Agitation (innere Unruhe), Psychose, Denkstörungen, Halluzinationen, Tremor, Taubheit, Arrhythmien, Urtikaria, trockene Haut, Nierenversagen, Hämaturie, männliche Infertilität, Schmerzen im Brustraum

Selten (0,1-0,01%): aplastische Anämie, Agranulozytose, Granulozytopenie, anaphylaktische Reaktion

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

Anwendung während der Stillzeit

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Das Kreatinin sollte 2 x pro Woche bestimmt werden.

Ganciclovir oral kann NICHT 1:1 auf Valganciclovir oral umgestellt werden. Die Bioverfügbarkeit von Valganciclovir liegt ca. um Faktor 10 höher.

Potentiell karzinogen und teratogen.

Spiegelbestimmung bei Valganciclovir p.o. nur bei beeinträchtigter Nierenfunktion oder Unsicherheit bzgl. der Wirksamkeit oder der Nebenwirkungen:
T=1,5 (=Spitzenspiegel): 2,5-12,5 mg/l
T=0 (=Talspiegel): 0,2-1 mg/l

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

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Änderungsverzeichnis

  • 26 August 2022 15:47: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung